Berichte von 07/2015

Mittwoch, 08.07.2015

Malaria!

Ich bin diejenige, die das komplette Jahr gerade mal 5 Mückenstiche hatte und wen erwischt es natürlich? Genau, mich! 

Es hat wirklich ganz plötzlich angefangen. Wir waren an der Cape Coast übers Wochenende und waren Samstag abend im Baobas-Haus vegetarisch Essen. Ich hab nicht wirklich viel von meiner riesen Portion Nudeln geschafft und aufeinmal wurd mir richtig schlecht und ich war verdammt müde. Meine Mitfreiwilligen wollten anschließend noch im Oasis feiern gehen und haben mich bestimmt ne Stunde zum Mitkommen überredet. Ich bin aber eisern geblieben und direkt ins Hotel gefahren. Dort angekommen wurd mir immer schlechter, dazu kamen Schwindel und Schüttelfrost. Ein Fieberthermometer hatte ich erst später, als die anderen wieder zu Hause waren. Bis dahin dachte ich, dass es vllt am Essen lag. Aber das konnte ja irgendwie nicht sein, weil wir alle das selbe gegessen hatten und den anderen ging es prima. Als ich endlich Fieber messen konnte wars mir dann relativ klar. Ich hatte eine Temperatur von 39,5 Grad. Ich habe die Nacht versucht zu schlafen, leider mit wenig Erfolg. Am nächsten Morgen sind wir dann früh aufgebrochen um zurück nach Kumasi zu fahren. Die Fahrt war ganz schön anstrengend weil ich so fertig war. Zu Hause angekommen bin ich zusammen mit Hanna direkt ins Krankenhaus. Dort hab ich einen Bluttest machen lassen, der mir die Bestätigung gegeben hat: Malaria. Daraufhin habe ich vom Arzt eine Injektion bekommen und ein passendes Medikament: Coartem. Das sollte ich 3 tagelang nehmen. Gesagt- getan. 

Am darauffolgendem Tag ging es mir so schlecht wie noch nie! Ich hatte 40,3 Fieber, habe abwechselnd geschwitzt und gefroren, mir war schwindelig, ich hatte keinen appetit, konnte nicht schlafen, ich hatte Muskelschmerzen und konnte mich nicht auf den Beinen halten. Es war einfach nur schrecklich! Ich habe den ganzen Tag nur im Bett gelegen und gehofft, dass das ganz bald vorbei ist. 

Am 2. Tag ging es mir immer noch nicht besser und es kamen noch Halsschmerzen dazu. Da ich angst hatte eine Mandelentzündung zu bekommen habe ich mich nochmal ins Krankenhaus geschleppt. Dort bin ich auf einen sehr unprofessionelen Arzt gestoßen. Das war echt enttäuschend. Der hat mich nicht mal richtig angeschaut, mir irgendwas aufgeschrieben und mich wieder weggeschickt. Mit dem "Rezept" ist Hanna für mich zu 6 verschiedenen Apotheken- keiner konnte damit etwas anfangen. Also ist sie mit Berni (einem Einheimischen der bei uns lebt) nochmal in ein anderen Krankenhaus. Dort war ein professioneller Arzt, der seinen Job gut gemacht hat. Er hat Hanna dann das richtige Medikament für mich mit nach Hause gegeben. (Eine Mandelentzündung hab ich dann übrigens doch nicht bekommen)

Tag 3! Mein Malariamedikament hab ich komplett aufgebraucht- besser ging es mir allerdings immer noch nicht. Also habe ich mich erneut in meinem Zustand ins Krankenhaus geschleppt. Da aber Feiertag war, konnte dort niemand etwas für mich tun. Also hab ich ein Labor auf der Straße gesucht und einen weiteren Bluttest machen lassen: immer noch Malaria! Spätestens da ist bei mir dann etwas Panik ausgebrochen. Ich habe Malaria, keine Medikamente mehr und kein Doktor war da. Ich habe viel mit meinen Eltern und Bekannten geschrieben. Mein Papa war sogar in Deutschland beim Tropenarzt. Viele haben mir gesagt, dass ich mich stationär einweisen lassen soll. Also hab ich bis zum nächsten Tag gewartet und genau das getan.

Tag 4: Ich bin früh morgens nach Adum ins Krankenhaus um einen Doktor zu sehen. Dieser war auch sehr gut und hat mir angeordnet über Nacht im Krankenhaus zu bleiben. Ich wurde in einem 12 Bett Zimmer untergebracht mit inklusiver Schwesternstation drinnen. Da war was los! Wirklich zur Ruhe kam ich dort nicht. Ständig kamen neue Leute rein, wurden an ein Beatmungsgerät gehängt was unheimlich laut gebrummt hat, der Fernseher lief die kompletten 24 Stunden und das Licht brannte durchweg. Ich habe die Nacht ganze 2 Stunden schlafen können. Naja, wenigstens wurde ich medizinisch gut versorgt. Ich habe viele Injektionen unnd Infusionen bekommen. Am nächsten Tag ging es mir auch schon viel besser!! Ich war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen aber habe mich gesund gefühlt. Ich durfte also wieder nach Hause gehen. Bevor es nach Hause ging musste ich allerdings noch zahlen. Und da ist mir fast der Kragen geplatzt. Ich musste das doppelte zahlen als ein Ghanaer und sogar 50 Cedi für Essen, welches ich gar nicht gegessen habe. Ich konnte mich allerdings aufregen wie ich wollte, am Preis hat sich trotzdem nichts geändert. Mich macht das einfach wütend, dass ich als  Weiße ständig mehr zahlen muss. Stellt euch mal vor wir würden das in Deutschland so machen. Pizza zum Mitnehmen: Weiße zahlen 5 Euro, Schwarze 10Euro. So was geht einfach nicht!! 

Tag5: Heute bin ich nochmal ins Krankenhaus um nochmal einen Bluttest machen zu lassen. Dafür, dass so viele Leute da waren ging es heute wirklich schnell. Das Ergebnis sollte ich dann morgen abholen.

Tag 6: Meine Ergebnisse sagen, dass ich endlich frei bin von Malaria! GOTT SEI DANK!! Ich habe einem Freund meine Blutwerte geschickt, welcher in Deutschland in einem Labor arbeitet. Er sagte, dass alles okay sei bis auf einen Wert, der sagt, dass ich noch eine Infektion durchmache. Aber klar, mein Körper ist noch geschwächt. Ich soll mich einfach weiterhin ausruhen und viel trinken. Eigentich wollte ich ja trotzdem nochmal einen Arzt sehen aber als die Dame an der Anmeldung mir ganz frech gesagt hat: Sie sind Ausländer, sie müssen das doppelte zahlen- da hab ich mich umgedreht und bin einfach gegangen. Ich hatte wirklich die Schnauze voll. 

Nächste Woche bin ich endlich wieder zurück in Deutschland, da werd ich mich auf jeden Fall nochmal durchchecken lassen, damit ich mir ganz sicher sein kann, dass ich wieder gesund bin. 

Ich habe auch wieder angefangen meine Malaria Prophylaxe zunehmen, schlafe wieder in meinem Moskitozelt und sprühe mich regelmäßig ein. Ich hab das alles ganz schön schleifen lassen, da ich eh nicht gestochen wurde. Aber trotzdem hats mich erwischt. Also, demnächst lieber Vor- statt Nachsicht