Mittwoch, 21.01.2015

Zwischenseminar

Vom 17.01.-21.01.2015 hatten wir unser Zwischenseminar in Konongo- denn es ist tatsächlich schon die Hälfte geschafft! Unsere Betreuerin konnte leider nicht anreisen, da sie schwanger ist. Stattdessen kam Frau Eguia, unsere Pädagogische Beraterin von Volunta. 

Wir haben über viele verschiedene Themen gesprochen, die uns wirklich sehr weiter gebracht haben. Wie zum Beispiel unsere bisherigen Eindrücke und Erfahrungen in unserer Einsatzstelle, eine Stimmungskurve von der Arbeit und Privat, das Zusammenleben in der WG, unsere zukünftige Zeit in Ghana, Erwartungen/ Ziele, zurück in Deutschland. 

 

Ich fange mal mit meinen zahlreichen Erfahrungen und Eindrücken von Ghana an und was ich gelernt habe:

- ich habe hier in ein völlig anderes Schulsystem kennengelernt

- eine neue Kultur (Leben,Essen,Ansichten,Glauben)

- ein neues Land entdeckt

- Korruption ist in Ghana ein großes Problem 

- ich lebe in einem Entwicklungsland und sehe die großen Unterschiede zu Europa

- ich erlebe bzw. sehe hier sehr viel Armut

- das Land ist sehr schmutzig und vermüllt

- ich lebe in einer großen WG, mit insgesamt 15 Menschen unter einem Dach (man muss Rücksicht aufeinander nehmen, Kompromissbereitschaft, sich an Absprachen und Regeln halten)

- ich bin ständig unter Menschen, ich weiß nicht, wann ich das letzte mal alleine war

- ich teile mir mit 2 anderen Freiwilligen ein Zimmer- für ein ganzes Jahr!

- ich habe keine Waschmaschine sondern muss meine Wäsche mit der Hand waschen

- ich bin das erste Mal für sehr lange Zeit von meiner Familie und Freunden getrennt

- ich komme hier mit viel weniger aus (Lebensmittel, Klamotten, Auto, Fernseher, Luxusgüter)

- wir haben täglich Strom- und Wasserausfall

- ich stehe in der Öffentlichkeit als Weiße konstant im Mittelpunkt

- die Menschen hier stecken voller Lebensfreude trotz der harten Umstände, sind gelassener und viel zufriedener als wir Deutschen. 

- ich arbeite das 1. mal in einem Waisenhaus

- Weiße müssen hier Ghana grundsätzlich mehr zahlen als die Einheimischen. Wir werden für sehr reich gehalten, was wir im Gegensatz zu vielen Ghanaern auch sind. 

- ich kann hier nicht die Welt verändern sondern durch meine Arbeit lediglich einen kleinen Teil dazu beitragen. Auch wenn ich mir oft nutzlos vorkomme, muss ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Waisenkinder sich über meine Anwesenheit sehr freuen und ich eine Bezugsperson für sie bin. 

- ich habe gelernt nicht aufzugeben, trotz schwerer Zeiten!

 

Meine Stimmungskurve: (leider etwas dunkel, aber hoffentlich erkennbar)

 

 

Wieder zu Hause in Deutschland:

Natürlich freuen wir uns alle darauf, endlich wieder nach Hause zukommen. Allerdings kann die Zeit auch nochmal eine Herausforderung werden. Wir müssen uns wieder in unserem alten Leben zurechtfinden, uns wieder an andere Strukturen und Regeln gewöhnen und uns wieder in den Alltag einfinden. 

Als ich nach Ghana kam, hatte ich einen großen Kulturschock, da alles so anders und ungewohnt war. Viele Sachen konnte ich einfach nicht verstehen. Und genau so wird es mir wahrscheinlich wieder gehen, wenn ich zurück in Deutschland bin. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

Wir haben auch viel über unsere Wünsche, Ängste und Ziele gesprochen oder auf was wir uns freuen. 

Ich freue mich unwahrscheinlich auch meine Familie und Freunde, auf meinen Hund, auf das leckere Essen, endlich wieder barfuss durch die Wohnung laufen zu können, Auto zu fahren, auf frisch gewaschene Wäsche, auf eine saubere Umgebung, auf eine warme Badewanne, auf abwechslungsreiche Unternehmungen mit Freunden, auf mein eigenes Bett, endlich wieder mal für mich sein zu können und vieles mehr.

Natürlich habe ich auch Ängste, mich wieder in den Alltag einzufinden oder welche Freunde nach dem Jahr noch an meiner Seite sind. Oder wie wird es, wieder mit den Eltern unter einem Dach zu wohnen, wo man jetzt ein ganzes Jahr auf eigenen Beinen stand? Usw. 

Ich bin wirklich sehr gespannt auf meine Rückkehr und vor allem auf meine Veränderung. Ich denke, dass mir das in Deutschland erst richtig auffallen wird. 

2 Wochen nach unserer Ankunft werden wir nochmal ein 5-tägiges Rückkehrerseminar in Wiesbaden haben. Dort werden wir unsere Eindrücke und Erfahrungen austauschen und besprechen, was ich für eine sehr gute Idee halte.

 

Was ich mir für meine Zeit hier in Ghana noch wünsche oder lernen möchte:

- weitere, schöne Projekte mit meinen Kindern im Waisenhaus

- noch mehr über das Leben der Einheimischen zu erfahren

- noch mehr vom Land zu sehen

- mehr Gelassenheit

- mehr Verständniss für manche Dinge 

 So, ich hoffe ich konnte euch wenigstens einen kleinen Einblick in mein Zwischenseminar geben. 

Bis bald!!